LomoKalender zum Mitnehmen

Überraschung! Mit Südtirol mache ich noch nicht Schluss, ganz im Gegenteil, dieses Landl wird mir noch lange in Kopf und Herz bleiben.
Aber keine Angst, heute kommt kein Tagesbericht ;), denn nach 7 Tagen on the road (und in tollen Hotels & Pensionen) war ich wieder daheim in meinem Norden und brauchte erst einmal 30 Stunden Schlaf.

Mit diesem Post heute möchte ich mich einfach bei euch bedanken – fürs „Mitreisen“, fürs Lesen, fürs Schauen, für eure Unterstützung und die schönen Worte. Es hat unendlich viel Spaß gemacht, meine Erlebnisse und Lomographien mit euch zu teilen! Und da das neue Jahr erst ein paar Tage alt ist, dachte ich, dass es für einen Kalender noch nicht zu spät ist. Also hab ich euch 1 Jahr Südtirol zum Ausdrucken & Mitnehmen gebastelt und ihn mit ein paar Lomo-Impressionen aus Südtirol bespickt.

Den Kalender könnt ihr euch in voller Größe hier herunterladen – kostenlos und so oft ihr wollt (nur bitte nicht für kommerzielle Zwecke;)

Eine kleine Vorschau:

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Bonusrunde

Willkommen zur Bonusrunde Südtirol! Bevor ich mich für eine kleine Weile in den Blog-Urlaub verabschiede, möchte ich euch noch ein allerletztes Projekt zeigen.

Der Arbeitstitel dazu war „… [hier Wort einfügen] gibt es in Südtirol nicht!“. Aber das klingt schockierender als es tatsächlich ist. Es ist einfach eine Liste, die ich vor meiner Reise aufstellte, bzw. die von Freunden aufgestellt wurde. Ich wollte von ihnen wissen, was sie von oder in Südtirol nicht erwarten würden, eine umgekehrte Klischee-Liste sozusagen.
Als ich von meiner Reise wiederkam, bekam ich wieder diese Liste zwischen die Finger und mir fiel auf, dass sich viele dieser Nicht-Erwartungen trotzdem erfüllt hatten (wenn auch manchmal nur im übertragenden Sinne;). Zu fast jedem Punkt sprang mir sofort ein Bild in den Kopf, sodass ich es einfach in diesem Nebenprojekt zusammenbringen musste. Aber seht selbst!

… gibt es in Südtirol nicht. Gibt es nicht?

Danke, Freunde, für die Inspiration! 🙂

Und hier gibt es noch einmal alle „Tage“ zum Nachlesen.

Schöne Grüße,

Conny

LomoRoadtrip Tag 7 – In 7 Tagen durch Südtirol

Sonntag, 12.05.2013 – Süd-Nord-Gefälle

Einen halben Tag habe ich heute noch und um aller Heimfahrtgedanken zu trotzen, fahre ich erst einmal Richtung Süden (ein Stück):

Wenige Stunden zuvor:
Das Frühstück vom Gasthaus Eisenhut wird doch tatsächlich im Batzen Häusl serviert! Man kommt einfach nicht um diese Kultstätte in Bozen herum. So früh am Tag ist es hier natürlich noch schön ruhig:

Obwohl noch die lange Heimreise vor mir liegt und ich nach dem Frühstück ein Stück in die entgegengesetzte Richtung fahren will, ist das ein grandios entspannter Morgen. Und anscheinend auch ein Tag der Musik (es ist Muttertag), denn im Biergarten des Batzen Häusls werden gerade Abba-Evergreens von einer Gruppe Frauen und Männer im besten Alter eingeübt, inklusive Hüftschwung. Aus dem Frühstücksraum in der ersten Etage beobachten wir das Spektakel und was für ein Glück, schließlich kann man Italien nicht ohne ein einziges Mamma Mia! verlassen.

Nach dem Frühstück geht es noch kurz Weiterlesen

LomoRoadtrip Tag 6 – In 7 Tagen durch Südtirol

Freitag, 10.05.2013 – Der Apfel im Papier

Heute nur eine kleine Runde und alles auf Anfang:

Aber trotzdem mit im Ohr: Vino Rosso mit Huamkemmen (-klick-), ein bisschen da Raggae Style passt heute gut hierher.

Der Apfel im Papier

Zu meinen liebsten Kindheitserinnerungen zählt das Bild meiner Großmutter, wie sie am knarrenden Küchentisch der 60er Jahre sitzt und einen riesigen Boskop Apfel schält, ohne das Obstmesser auch nur einmal zwischendurch abzusetzen. Manchmal aßen wir die lange „Appelpelle“ trotzdem, manchmal flog sie zusammen mit den Kartoffelschalen auf den Kompost. Und Frumat macht daraus „CartaMela“ – Apfelpapier.
Am Sonnabend treffe ich mich mit Hannes Parth, Geschäftsführer des Südtiroler Unternehmens Frumat (und Träger jener hipster Brille aus Holzstilecht). Wir haben uns in der B Bar des Hotel Sheraton im Gewerbegebiet Bozens verabredet und hätten uns beinahe verpasst, weil wir kein Erkennungszeichen ausgemacht haben. Aber zum Glück erkennen wir uns doch noch.
Als Überraschung hat er mir zwei sehr schöne Muster-Notizbücher aus Frumats neuer Reihe MelaScrivo® mitgebracht, die zu dem Zeitpunkt noch nicht erschienen waren. Er hätte auch Toilettenpapier aus Apfel mitbringen könne, aber das wäre vielleicht etwas forsch gewesen.

Aber der Reihe nach:
Bei der Herstellung von Apfelsaft u.ä. bleibt ein immenser Anteil an wertlosem Biomüll zurück, der nicht als Düngemittel oder Tierfutter verwendet werden darf. Aber wo Müll entsteht, ist Recycling zum Glück nicht weit. Der hohe Zellulosegehalt in den Apfelrückständen macht es möglich und so können alle Arten von Apfelresten verwendet werden, um hochwertiges Apfelpapier zu produzieren.

Die Reste aus der Weiterverarbeitung von Äpfeln hätte er nicht mehr riechen können, meint Hannes Parth scherzhaft, „dagegen musste etwas getan werden“. Tatsächlich sind die Rückstände, die bei der Herstellung von Apfelsaft und anderen Produkten entstehen recht… geruchsintensiv.
Vor einigen Jahren Weiterlesen

LomoRoadtrip Tag 5 – In 7 Tagen durch Südtirol

Freitag, 10.05.2013 – Im Westen Land unter

Heute fahre ich hier entlang:

Am nächsten Morgen erwartet mich dagegen ein Regentanz. Das Frühstücksbuffet im Ottmanngut wird heute im Salon angerichtet und die Gäste erwartet dort eine handverlesene und bewusst kleine Auswahl lauter leckerer Dinge aus der Region, die mir natürlich unbekannt sind. Umso gespannter bin ich auf die Marmelade und die Vinschgerln, während die Kirchlechners noch einmal für jeden Gast einen besonderen Gruß aus der Küche vorbereiten.

Und während ich noch versuche, dieses Kompliment aus der Küche nicht mit einem Happen zu verschlingen, betritt eine ältere Dame den Speisesaal und fragt mich, ob ich „wahrhaftig“ ganz alleine auf Reisen sei. Ich bejahe ordentlich und sie stellt sich mir als Martha Kirchlechner vor, die früher selbst diese Pension leitete. Ihr Enkelsohn Martin hatte am Abend vorher schon ein bisschen aus der Familienchronik erzählt, wie seine Großeltern das Gut übernahmen, es jahrzehntelang führten und sie zunächst noch ein Restaurant betrieben. Aber es ist immer ein wenig anders, wenn die Person, die dir gegenüber steht, tatsächlich Teil dieser Geschichte ist und Martha erzählt mir noch ein bisschen daraus. Ihr Blick schweift dabei immer wieder zum Wintergarten, der sich, ein paar Stufen höhergelegen, direkt hinter mir befindet. Nach einer Weile bittet sie mich, die Tür dort zu schließen, damit die feuchte Regenluft nicht ins Haus gelangt. Ihr Blick bleibt noch ein bisschen hängen, genauer gesagt an einer Erinnerung. Sie erzählt mir, wie sie dort im Wintergarten mit den Gästen getanzt hat, früher, als sie noch jung war.

Ich weiß nicht, was ich darauf antworten soll und der Moment ist vorbei. Sie lässt meinen Stuhl los, auf den sie sich gestützt hatte und schaut argwöhnisch in den Regen hinaus. „Die Decken sollten besser nicht da draußen auf den Tischen liegen“ sagt sie und geht. Fast erwarte ich Weiterlesen

LomoRoadtrip Tag 4 – In 7 Tagen durch Südtirol

Donnerstag, 09.05.2013 – Pack die Badekappe ein … es geht nach Meran!

Ich wache auf und ohne mich auch nur einen Millimeter bewegen zu müssen, sehe ich das:

Und dafür fehlen mir im Halbschlaf noch die Worte.


Meine Route heute:

Lucia hat schon ein festliches Frühstück vorbereitet, das man bei dieser Atmosphäre unbedingt draußen genießen muss. Auf dem improvisierten Küchentisch (Balkonbrüstung) türmen sich fast nur selbst gemachte und gepflückte Leckereien: Joghurt pur und mit Heidelbeere, zwei verschiedene Käse, Marmelade, Orangensaft und Wildkräutertee.

Zum Abschied von Chi Prà gibt es noch Kuh-Küsse und ein Tänzchen auf der Alm.
Danke Lucia und Michele für diese wunderschöne Auszeit!

Und jetzt hoch die Dolomiten! Heute will ich weiter nach Meran, allerdings nicht über Bozen sondern durch den Rosengarten und Latemar. Dafür muss man allerdings Weiterlesen

LomoRoadtrip Tag 3 – In 7 Tagen durch Südtirol

Mittwoch, 08.05.2013 – Ostwärts

Die Nacht bleibt regenschwer und die Balkontür auf. Als ich am nächsten Morgen hinaustippele, sind die Wolken bereits auf der Flucht. Meine riesige Wohnzimmerlampe, die lieber draußen steht, hatte die Nacht ohne Wasserschaden überstanden. Alles war gut.
In der schmucken Frühstücks-“Lounge“ vom Hotel Pupp gibt es für mich Lachs, von jeder der 12 verschiedenen Käse-Sorten ein Streifchen, frischgepressten Blutorangen(!)-Saft und kleine Leckereien aus der Pupp-Patisserie von gegenüber (ist schließlich die beste Konditorei in ganz Brixen). Das Buffet ist üppig und exquisit, ein bisschen exotisch gar.
Zum Abschied bekomme ich eine Packung gefüllte Trüffel geschenkt und ich weiß nicht, was zuerst schmelzen würde, mein Schokoladenherz oder die Trüffel auf der Rückbank der C-Klasse. Ich hätte sie gerne meinem kleinen Südtirolpäckchen (das es hier zu gewinnen gibt) hinzugefügt, aber das war leider schier unmöglich! 😉

Reisefertig soll es am Vormittag weiter nach Sand in Taufers gehen, das ungefähr eine Stunde nordöstlich von Brixen entfernt liegt. Aber dann bin ich links abgebogen, obwohl ich mir fest vorgenommen hatte, es nicht zu tun. Ich hatte schon Weiterlesen

In 7 Tagen durch Südtirol – LomoRoadtrip Tag 2

Liebe Blog-Freunde,
willkommen zur Themenwoche
Südtirol in Lomography!
Anfang 2013 wurde mein Blog für den Süditrol Medienpreis 2013 nominiert (wohoo:). Im Mai bin ich dann eine Woche lang in dieser schönen Gegend herumgereist, habe mir ganz viel angeschaut, unter tollen Dächern geschlafen und hunderte von Lomos geschossen. Mitgebracht habe ich euch natürlich auch etwas – ein echtes
Südtirol-Kischtl mit kleinen Souvenirs, das ihr gewinnen könnt – hinterlasst bei Interesse einfach einen Kommentar. Mehr zum Gewinnspiel erfahrt ihr hier.
Die Artikel erscheinen eine Woche lang analog zu meiner Reise (nur zeitversetzt) und eine Jury aus echten Profi-Bloggern wird zum Frühling hin entscheiden, welcher der 3 Blogs den Preis gewinnen wird.
Ich freue mich, dass ihr mit mir auf diese Lomo-Reise geht! ♥


Dienstag, 07.05.2013 – Von A wie Österreich bis B wie Brixen

Unverhofft kommt auch in Südtirol oft, die geplante Strecke bleibt aber wie sie ist:

Und das Lied im Ohr auch: „Jetzt oder nie“ (-klick-) von Mainfelt passt perfekt zur Stimmung heute und ist mein persönlicher Favorit in dieser Woche.

Bevor wir (wir sind für heute: mein großartiger Organisator Florian und ich) uns auf den Weg nach Innsbruck machen, um den Mietwagen abzuholen, bekommen wir noch eine persönliche Führung durch die Kellerei Hans Rottensteiner in Bozen.
Und während wir durch die verschiedenen Weinkeller ziehen, erklärt uns Hannes Rottensteiner alles, was man nur über Weine, Herstellung und Geschichte wissen kann. Hannes ist der Sohn von Hans und Rottensteiner ein Traditionsbetrieb seit 1956. Da bleiben keine Fragen mehr offen. Nur die Freude, dass der Enthusiasmus ungebrochen ist.

In der Vinothek geht der Spaß dann erst richtig los: Hannes und seine bezaubernde Frau Judith machen einen Wein nach dem anderen auf (oder so kommt es mir vor) und ich darf mir ebenfalls eine Sorte zum Entkorken wünschen. Meine Wahl fällt natürlich auf den hauseigenen Gewürztraminer, den „Women’s Choice“, wie ich später erfahre. Ah, also doch so vorhersehbar. Und jetzt?
Hatte ich am Abend vorher einfach „drauf losgetrunken“, war ich mir hier nicht ganz sicher, wie ich vorgehen sollte. Es war „nur“ ein Glas Wein, aber sollte ich lieber einen kleinen oder großen Schluck nehmen, ihn auf der Zunge zergehen lassen oder im Mund ’schütteln‘? Ich hatte ja keine Ahnung von der Etikette des Weinnaschens.
Aber am wichtigsten ist am Ende natürlich nur eines: der Genuss.
Ein paar Worte fallen, die die verschiedenen Weine beschreiben…süffisant, fruchtig, im Abgang ein wenig säuerlich…aber die Wahrheit über meine neue Liebe Cancenai ist, dass er wie ein längst vergangener Sommertag prickelt, an dem sich die Haare im Nacken kräuseln und das Gras zwischen den Zehen hervorlugt.
Wir erfahren noch mehr  – über den Vernatsch, die Verschiebung der Farben, über den Lagrein als älteste Traubensorte – und: dass man drinkig sagt, wenn einem der Wein schmeckt.
Als Florian und ich aufbrechen müssen, bekomme ich sogar noch ein drinkiges Mitbringsel – und einen Eintrag in mein Südtirol-Skizzenbuch (das letzte Foto) – ganz herzlichen Dank!
Dieser Vormittag hat wirklich sehr viel Spaß gemacht und ich würde lügen, wenn ich sage, dass ich das Weingut sternhagelnüchtern verlassen habe. Beim nächsten Mal also doch lieber kleine Schlucke.

Hans und Hannes Rottensteiner sagen über ihre Arbeit in der Weinkellerei: Sie machen das, was sie gut können. Und ich habe die leise Ahnung, dass sie das ziemlich gut können… 🙂

Von einem Ende zum anderen, aber wie?

Eine Verwechslung bescherte Weiterlesen

In 7 Tagen durch Südtirol – LomoRoadtrip Tag 1

Liebe Blog-Freunde,
willkommen zur Themenwoche
Südtirol in Lomography!
Anfang 2013 wurde mein Blog für den Süditrol Medienpreis 2013 nominiert (wo-hoo:). Im Mai bin ich dann eine Woche lang in dieser schönen Gegend herumgereist, habe mir ganz viel angeschaut, unter tollen Dächern geschlafen und hunderte von Lomos geschossen. Mitgebracht habe ich euch natürlich auch etwas – ein echtes
„Südtirol-Kischtl“ mit kleinen Souvenirs, die ihr gewinnen könnt – hinterlasst mir einfach einen Kommentar. Mehr zum Gewinnspiel erfahrt ihr hier.
Die Artikel zum Roadtrip erscheinen eine Woche lang analog zu meiner Reise (nur zeitversetzt) und eine Jury aus echten Profi-Bloggern wird zum Frühling hin entscheiden, welcher der 3 Blogs den Preis gewinnen wird.
Ich freue mich, dass ihr mit mir auf diese Lomo-Reise geht! ♥


Montag, 06.05.2013

Bevor es richtig losgeht, sollte ich vielleicht noch kurz erwähnen, dass Südtirol die nördlichste Provinz Italiens ist. Ich gebe zu, dass mich der österreichisch klingende Name zuerst ein wenig verwirrt hat und ich sicherheitshalber nochmal im Schulatlas nachgeschaut habe (Norddeutsche eben…). Und auch als ich von meiner Reise nach Südtirol zurückkam, wurde ich häufiger gefragt, wie es denn gewesen sei, in den Bergen von Österreich. Wenn man aber erst einmal vor Ort ist (und vorher irgendwie nicht mitbekommen hat, in welches Land man eigentlich reist…), bleibt gar kein Zweifel mehr, dass man sich in dem „Land, wo die Zitronen blühn“ (aus: Mignon, Johann Wolfgang von Goethe) befindet.
Auf Italienisch nennt sich Südtirol
Alto Adige („Oberetsch“), mit einem weichen ‚g‘ und je nachdem, ob man sein Köpfchen hier nach rechts oder links dreht, fliegen einem deutlich mildere deutsche Konsonanten oder der dramatische Singsang italienischer Spatzen zu. Tafeln, Broschüren, Speisekarten – alles wird fein säuberlich in beiden Sprachen festgehalten. Es gibt noch eine dritte Sprache, Ladinisch, der wir am dritten Tag begegnen werden.

Hintergrund ist die brisante Geschichte, auf die Südtirol zurückblickt. Noch vor 100 Jahren gehörte Südtirol tatsächlich zu Österreich, und das bereits seit mehreren Jahrhunderten. 1919 geht der südliche Teil Tirols als Kriegsbeute an Italien und es dauert nicht lange, bis man versucht, diesen „Exot“ unter einer faschistischen Regierung zu italienisieren. Gut ein Drittel der Bevölkerung verlässt das Land, folgt der erzwungenen „Option“, wie es pervers-großzügig vom NS-Regime propagiert wird. Südtirol ringt nach Eigenständigkeit, nach Anerkennung, kulturellem Erhalt und einem friedlichen Miteinander. 1972 erlangt es Autonomiestatus, aber es dauert noch 20 Jahre, bis sich dieser vollständig etablieren kann und ankommt – heute hat die Autonome Provinz Bozen-Südtirol eine Vorbildfunktion inne, wenn es um den Schutz von Minderheiten und autonome Ausrichtungen geht.
Deutsch, Italienisch, Ladinisch, so sähe die Reihenfolge aus, wenn man der Verteilung der Sprachgruppen folgt. Aber auch: Italienisch, Deutsch, Ladinisch, wenn man am Bozener Bahnhofskiosk steht; Ladinisch, Italienisch, Deutsch, wenn man sich in der schroffen Großartigkeit der Dolomiten verliert. Der behutsame Sinneswandel der Zweisprachigkeit ist dem alltäglichen Sprachgebrauch gewichen und ab und an verirren sich lose Wörter in der jeweils anderen Sprache. „Mochn mir a giro?“ („Drehen wir eine Runde?“ Wörtlich: „Machen wir einen Rundgang?“ (ital.: giro) ist so ein Südtiroler Satz, der außerhalb der Provinz nicht viel Sinn ergeben würde. Oder nur zur Hälfte verstanden werden würde. Aber es ist genau das, was Südtirol zusammenbringt, was es zu einem Ganzen macht, was es ausmacht: Kontraste, eine kunterbunte Mentalität und nicht zuletzt einen Funken Überraschung. Die Kulturen haben zusammengefunden, sich an einigen Stellen zusammengerauft, sich an anderen ineinander verliebt. Hier ist wahrlich nicht alles Gold was glänzt, aber in dieser Beziehung wird es mir in vielen Fällen warm ums Herz, und sei es nur beim Anblick von Knödel mit Pesto.

Nachtzug nach Bozen

Und dann war es endlich so weit.
Die weitentfernte Wirklichkeit dieser Reise löste sich in eine Erinnerung auf, die plötzlich vor mir lag. Ich steige in den Nachtzug und d
as Wagenlied der Bahn ist auch mein Wiegenlied. Von Hamburg nach München rauschen wir gen Süden. Die Abteile mit den dreistöckigen Betten sind eng, aber dafür flackern die vorbeiziehenden Lichter wie mattes Wetterleuchten hinter den Lidern. Im Halbschlaf nehme ich in München den Euro-Zug quer durch Österreich, über den Brenner bis nach Bozen.

Dabei im Ohr:Leg di her“ von Max von Milland, Songwriter und Mundartsänger aus Brixen. Als Übergang zusammen mit Hamburger Schellfisch Ina Müller (-klick-) oder im Original (-klick-).

Angekommen

Über Bozen hatte ich vor meiner Reise viel gehört. Fast zufällig las ich wenige Wochen vor meiner Reise noch den ein oder anderen persönlichen Bericht über die Hauptstadt Südtirols, stieß auf kontrovers kommentierte Bilder und Freunde rückten auf einmal mit Kindheitserinnerungen an Bozen – als Tor zum Süden – heraus. Unfreiwillig entstand ein ziemlich verworrenes Bild, heftiger, als von jeder anderen Region in Südtirol. War es schön oder vernarbt, Gegensatz oder Herzstück?

Guido Piovente schrieb 1959 in seinem Buch „18 mal Italien“: „Bozen ist eine Stadt von deutschem Charakter. […] Ihre Schönheit ist gotisch: diese langen, von Laubengängen gesäumten Straßen, schönt nicht so sehr wegen dieses oder jenes Baus als vielmehr durch malerische Winkel und Erker, die mit ihrem Licht-und-Schatten-Spiel einen Theaterhintergrund schaffen. […] Das Wunder dieser Stadt ist ihr Obstmarkt.“

Eine viertel Stunde nach meiner Ankunft stehe ich in einer Oase, inmitten von Bozen. Und es ist nicht die einzige. Die Stadt ist voller kleiner grüner Inseln, die sich in den Augenwinkel und hinter Sonnenbrillen verstecken.

Im Parkhotel Laurin erlebe ich gleich zu Anfang den Klassiker. Es ist das Stadthotel mit vier echten Sternen, mit Lederbank im Fahrstuhl und blank polierter Aussicht. Das Halstuch der Angestellten ist perfekt geknotet und der güldene Kofferwagen steht bereit. Beim Blick auf die Einrichtung kommt meiner Generation vielleicht kurz das Wort altbacken in den Sinn, aber wir sind nicht mehr so rebellisch, dass wir freiwillig klassisch elegant gegen fadenscheinig tauschen würden, nur um uns darüber zu definieren. Stattdessen genießen wir das Zimmer mit Aussicht, das eine Klasse höher liegt und uns eine noblere Haltung einnehmen lässt. Es ist fast ein bisschen wie mit Stöckelschuhen: Brust raus, Rücken gerade. Schuhe und Stöcke fliegen allerdings schnell durchs Zimmer, denn nach dieser Fahrt durch die Nacht brauche ich dringend eine Dusche.

Zum „Park“-Hotel gehört tatsächlich eine großzügige und sehr schön angelegte Grünanlage, die zum ungestümen Verweilen einlädt. Ich entdecke die Hängematte und weiß schon, wie ich meinen Tag heute beenden werde. Ich spaziere noch ein bisschen herum, im hoteleigenen Park, der auch öffentlich zugänglich ist, und mitten in der Stadt liegt:

Sobald ich allerdings das Gartentor öffne, verwandelt sich Weiterlesen

In 7 Tagen durch Südtirol – Es geht lomolos!

Liebe Leute, es ist soweit! Meine Lomo-Reise nach Südtirol könnt ihr ab morgen genau hier mitverfolgen. Eine ganze Woche lang erzähle ich täglich aus meinem Reisetagebuch, denn genau so lange dauerte mein LomoRoadtrip durch Südtirol – 7 Tage. Jeder Tag war einer bestimmten Region gewidmet und auch wenn die Zeit manchmal etwas knapp gewesen ist, ich gerne an einem Ort (oder an allen) länger verweilt hätte, kann man sich tatsächlich in nur 7 Tagen einmal kreuz und quer durch Südtirol stehlen, vom „klaren“ Norden bis in den „mediterranen“ Süden, vom felsigen Osten zu den Obstbaumwiesen im Westen (kulinarische Variationen inklusive.)

Kommt ihr mit?

Gleich vorweg ein kleiner Hinweis: Neben den gefühlten 2418 Lomographien habe ich euch auch das ein oder andere Souvenir mitgebracht, die ihr in der Südtirol-Woche teilweise downloaden oder gewinnen könnt – dranbleiben lohnt sich! 🙂

Ach Südtirol – wenn ich vor meiner Reise an Südtirol dachte, dann Weiterlesen